• „Jede Entscheidung ist
    immer auch eine Gesundheitsentscheidung.“

    Prof. Dr. Dr. Ilona Kickbusch

 

Gesundheitsförderung: ein Perspektivenwechsel

Das Konzept der Gesundheitsförderung wurde maßgeblich von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in den 1980er Jahren entwickelt und im Rahmen der ersten Internationalen Konferenz zur Gesundheitsförderung im noch heute gültigen Grundsatzpapier „Ottawa Charta zur Gesundheitsförderung“ verabschiedet.

Darin heißt es: „Gesundheitsförderung zielt auf einen Prozess, allen Menschen ein höheres Maß an Selbstbestimmung über ihre Gesundheit zu ermöglichen und sie damit zur Stärkung ihrer Gesundheit zu befähigen“ (WHO, 1986). In diesem Sinne ist die Gesundheit als ein wesentlicher Bestandteil des alltäglichen Lebens zu verstehen und nicht als vorrangiges Lebensziel. Die Verantwortung für Gesundheitsförderung liegt nicht nur beim Gesundheitssektor, sondern bei allen Politikbereichen und zielt über die Entwicklung gesünderer Lebensweisen hinaus auf die Förderung von umfassendem Wohlbefinden (ebd.).

Gesundheitsförderung ist ein komplexer sozialer und politischer Prozess. Sie schließt nicht nur Handlungen und Aktivitäten ein, die auf die Stärkung der Kenntnisse und Fähigkeiten von Individuen gerichtet sind, sondern auch solche, die darauf abzielen, soziale, ökonomische sowie Umweltbedingungen so zu verändern, dass diese positiv auf individuelle und öffentliche Gesundheit wirken (WHO, 1998).

Bis heute haben sich viele verschiedene gesundheitsfördernde Disziplinen entwickelt und die Bedeutung der Gesundheitsförderung ist gesamtgesellschaftlich stark gestiegen. Die Zunahme chronischer Krankheiten, die wachsende Zahl älterer und pflegebedürftiger Menschen, die Zunahme psychischer Belastungen am Arbeitsplatz, die steigende Zahl sozial Benachteiligter, die unzureichende Vernetzung der Akteure im Gesundheitssektor sowie die Grenzen der etablierten Medizin erfordern eine entsprechende Neuausrichtung der Versorgung im Gesundheits- und Sozialwesen.